Naturforschende Gesellschaft in Basel
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Geht es um Bakterien und anderen Mikroorganismen, dann denken wir in der Regel sofort an Krankheiten und Händewaschen. Das hat gute Gründe, denn der Ruf dieser Kleinstlebewesen ist nicht der beste. Seit ihrer Entdeckung im 19. Jahrhundert ist unser Verhältnis zu ihnen geprägt durch ein paar wenige Krankheitskeime, welche die Gesundheit des Menschen seit jeher ernsthaft bedrohen. Die Entdeckung der Antibiotika im 20. Jahrhundert hat diese Situation grundlegend verändert, denn durch diese Medikamente wurden Infektionskrankheiten erstmals heilbar und viele Errungenschaften der modernen Medizin erst möglich. 

Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Wechselbeziehungen zwischen dem Menschen und seinen Mikroben wesentlich komplexer sind als es eine simple Wirts-Pathogen Beziehung vermuten lässt. Der Mensch ist besiedelt durch eine Vielzahl verschiedener Bakterien, welche sich im Laufe der Evolution auf das Leben in und auf unserem Körper spezialisiert haben und mit uns eine stabile und dauerhafte Beziehung eingehen. Zudem verdichten sich Hinweise darauf, dass Vertreter dieses sogenannten Mikrobioms unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit nachhaltig mitbestimmen. So wird vermutet, dass das Mikrobiom die Entwicklung unseres Immunsystems steuert, uns aktiv vor Krankheiten schützt und über Stoffwechselprodukte sogar unser mentales Wohlbefinden beeinflusst. Eine Reihe neuartiger Zivilisationskrankheiten wird in Verbindung gebracht mit einem Verlust der natürlichen Vielfalt des menschlichen Mikrobioms. Diese Entwicklung scheint begünstigt durch verschiedene gesellschaftliche und medizinische Faktoren, darunter auch die übermässige und nicht sachgemässe Verwendung von Antibiotika.

Der Vortrag beleuchtet die komplexe symbiontische Beziehung des Menschen mit seinen Mikroorganismen und zeigt auf wie die Entdeckung und Verwendung von Antibiotika diese Beziehung einschneidend geprägt hat. Neue Ansätze um die Zusammensetzung des menschlichen Mikrobioms gezielt zu beeinflussen, werden diskutiert.