Naturforschende Gesellschaft in Basel
Seit 1817 im Dienste von Natur & Wissenschaft

Kosmisches ‚Plankton’ – Zwerggalaxien und das Problem der Dunklen Materie

Zwerggalaxien sind kleine, leuchtschwache, massearme Sternsysteme, die aufgrund ihrer geringen Sterndichte oft nur sehr schwer detektierbar sind. Grosse Galaxien wie die Milchstrasse umschwärmen sie als Satelliten, und in Galaxienhaufen kommen sie zu Tausenden vor. Unscheinbar wie sie sind, gelten Zwerggalaxien als Schlüsselobjekte zur Erforschung der Galaxienentwicklung und Strukturbildung im Universum, vor allem aber der noch immer rätselhaften, unbekannten ‚Dunklen Materie’, auf welche Fritz Zwicky vor 85 Jahren erstmals stiess. Nirgendwo sonst im All scheint sich Dunkle Materie – man vermutet exotische, erst noch zu detektierende Elementarteilchen – dichter zusammengeballt zu haben. Waren Zwerggalaxien einst die Lieblinge der Kosmologen, so sind sie seit über 10 Jahren deren Schrecken. Man spricht von einer small-scale crisis: auf der Skala von Galaxien, vor allem Zwerggalaxien versagt das ansonsten sehr erfolgreiche Modell der kosmischen Strukturbildung mit ‚kalter’ Dunkler Materie völlig. Nur mit entsprechenden Modifikationen lässt sich der Fall für Dunkle Materie retten, und es gibt, zumindest für Galaxien, Alternativen ohne Dunkle Materie. Ein Riss droht sich aufzutun in der extragalaktischen community. Seit ganz kurzer Zeit, unter Mitwirkung unserer totgesagten Basler Astronomie, häuft sich die Evidenz für kohärente Scheibenstruktur in der Verteilung von Zwergsatelliten – ‚Gift’ für jede Art von Dunkler Materie. Ist das Konzept der Dunklen Materie ein Irrläufer der Wissenschaftsgeschichte, wie der Lichtäther?

Der Referent berichtet abschliessend über seine 40-jährige Partizipation und Zeugenschaft in der Forschung rund um Zwerggalaxien und das Problem der Dunklen Materie.