Naturforschende Gesellschaft in Basel
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Die unbekannte Welt der Darwinwespen

Schlupfwespen aus der Familie der Darwinwespen (Ichneumonidae) entwickeln sich auf oder in den Larven anderer Insekten und Spinnen und gehören zu den am wenigsten erforschten Tiergruppen weltweit. Unsere Wissenslücken über diese Insekten sind nicht nur bedauerlich für die Evolutionsforschung, sondern verhindern auch ihren effizienten Einsatz in der biologischen Schädlingsbekämpfung. Dieser Vortrag entführt Sie in die wundersame, zeitweise auch abschreckende, vor allem aber faszinierende Welt dieser Parasitoide.

An einer Konferenz mit Experten dieser Gruppe aus fünfzehn Ländern, welche im Juni am Basler Museum durchgeführt wurde, haben wir die wichtigsten Wissenslücken identifiziert. So ist es noch immer unmöglich, die wirkliche Zahl der Arten von Darwinwespen auch nur grob zu schätzen – sogar in der Schweiz werden regelmässig neue Arten entdeckt. Klar ist nur, dass wir mit den 25‘000 bereits beschriebenen Arten erst einen Bruchteil der wirklichen Vielfalt kennen. Ausserdem haben wir nur für einen kleinen Teil der Arten verlässliche Wirtsnachweise, und intensivere Arbeit mit Zucht- und Wahlexperimenten ist dringend nötig. Der Stammbaum der Ichneumonidae ist noch immer an mehreren Stellen schlecht aufgelöst, aber wir arbeiten mit modernsten molekularen Methoden an deren Aufklärung. Weitere faszinierende Fragestellungen betreffen die Anpassungen von nachtaktiven Darwinwespen an den Jagddruck durch Fledermäuse und die Evolution von Farbmustern, welche gerade bei tropischen Arten auffällige Konvergenzen aufweisen. Es bleibt sehr viel zu entdecken, und die Darwinwespenforscher werden in Zukunft noch intensiver zusammenarbeiten, um mehr über diese faszinierende Gruppe zu erfahren.