Naturforschende Gesellschaft in Basel
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400 Jahre Kepler’sche Weltharmonik im Licht der modernen Astronomie

  • Raumgeraden Venus-Erde, Schrittweite 3 Tage, 1000 mal (8 Jahre), H. Warm

  • Raumgeraden Jupiter-Neptun bei Jupiter/Saturn-Konjunktionen, 750 mal (14'893.9 Jahre), H. Warm

 

2019 jährt sich zum 400. Mal das Erscheinen von Johannes Keplers Weltharmonik (Harmonice Mundi). In diesem seinem Hauptwerk veröffentlichte er sowohl sein 3. Planetengesetz als auch seine Arbeiten zu einer Musik, Geometrie und Astronomie umfassenden Harmonik. Kepler war überzeugt, eine sehr gute Übereinstimmung zwischen musikalischen Intervallen und bestimmten Verhältnissen der Winkelgeschwindigkeiten im Planetensystem gefunden zu haben. Damit brachte er einen neuen Impuls in die von Pythagoras etwa 2000 Jahre zuvor entwickelte Vorstellung einer Sphärenharmonie.

     In der wissenschaftlichen Welt wird Kepler für die Entdeckung der Planetengesetze hoch geschätzt, seine Ideen zur Weltharmonik werden aber als esoterische Träumerei bezeichnet und nicht ernst genommen. Hartmut Warm gelang es jedoch, mit modernen astronomischen und mathematischen Verfahren nachzuweisen, dass auch Keplers diesbezügliche Grundideen zutreffen. Bestimmte Geschwindigkeitsverhältnisse (wenn auch andere als die von Kepler gedachten) zeigen in der Tat statistisch hochsignifikante Übereinstimmungen mit musikalischen Intervallen. Der räumlichen Anordnung der Bahnen liegen einfache geometrische Prinzipien zugrunde. In den langfristig (über Hunderte und Tausende von Jahren) in Beziehung gesetzten Bewegungen der Planeten kommen ästhetische, stern- und blütenartige geometrische Figuren zum Vorschein, insbesondere solche, die sich um die Zahlen Fünf und Zwölf drehen.

     Die physikalische Bedeutung dieser neu entdeckten Ordnungsstrukturen im Sonnensystem ist vorläufig noch ungeklärt. Auf der Ebene der Himmelsmechanik lässt sich ein Zusammenhang mit Bahnresonanzen vermuten, aber entsprechende Untersuchungen in diesem hochkomplexen Gebiet müssen erst noch durchgeführt werden. 

     Hartmut Warm ist Diplomingenieur, Programmierer, Dozent für bewusstes Musikhören und Buchautor; er lebt in Hamburg.